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Juli 2021: Das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz


Kinder- und Jugendstärkungsgesetz – was ist neu?

Am 10. Juni 2021 ist das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz in Kraft.
(siehe Bundesgesetzblatt Nr. 29 von 2021).

Für unsere Einrichtung ist die „Öffnung“ des §19 für beide Elternteile (vorher ein Elternteil) eine Anerkennung der Lebensrealität.

Immer wieder begleiten wir Familien, die erst im Zusammenspiel aller hilfreicher Kompetenzen eine Elternschaft für ihr Kind aufbauen können.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass in einer vollstationären Maßnahme das Ziel in weite Ferne rückte, die Rolle als für das Kind verantwortliche Mutter oder verantwortlicher Vater alleine auszufüllen.

Diese durch das neue Gesetz angestoßene Entwicklung ist sicher als ein Zeichen einer gesellschaftlichen Modernisierung zu sehen.

Diese Bereiche sind konkret betroffen

Die Änderungen betreffen v.a. folgende Bereiche:

Kinder- und Jugendschutz im Inland und Ausland 

  • Aufsicht und Kontrolle der betreuenden Einrichtungen
  • In Pflegeverhältnissen müssen Schutzkonzepte angewendet werden
  • Verbesserte Kooperation mit dem Gesundheitswesen, den Strafverfolgungsbehörden, den Familiengerichten, der Jugendstrafjustiz und anderen wichtigen Akteurinnen und Akteuren im Kinderschutz
  • Bei Kindeswohlgefährdung: Rückmeldung an den Meldenden

Pflegefamilien / Erziehungshilfeeinrichtungen

  • Stärkung der Eigenverantwortung: Kostenbeiträge von jungen Menschen werden deutlich reduziert
  • Eltern sollen bei Inanspruchnahme externer Hilfen einen Rechtsanspruch auf Beratung, Unterstützung und Förderung ihrer Beziehung zum Kind erhalten.
  • Das Familiengericht kann nun zum Schutz des Kindes auch den Verbleib in einer dauerhafte Maßnahme anordnen, statt wie bisher nur in einer Pflegefamilie.

Hilfen aus einer Hand für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen

Es wird deutlich leichter, Rechte zu verwirklichen und Leistungen zu bekommen.

Inklusion als Leitgedanken der Kinder- und Jugendhilfe. In der Praxis:

  • Grundsätzlich gemeinsame Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderungen.
  • Leistungsträger müssen enger und verbindlicher zusammenarbeiten.
  • Verbindlichere Beratung zu Leistungen, Zuständigkeiten.
  • Ab 2024: Eltern werden durch einen Verfahrenslotsen begleitet.

Mehr Prävention vor Ort

  • Schnellere ortsnahe Hilfe.
  • In Notsituationen kann über eine Erziehungsberatungsstelle – ohne Antrag und ohne Amt – Hilfe zur Bewältigung bezogen werden.

Mehr Beteiligung von jungen Menschen, Eltern und Familien

  • Unterstützung bei der Wahrnehmung von Rechten (Ombudsstellen als externe und unabhängige Anlaufstellen, Beschwerdemöglichkeiten  werden erweitert beziehungsweise verbessert).
  • Organisierte Formen der Selbstvertretung werden gestärkt.
  • Kinder und Jugendliche erhalten einen uneingeschränkten eigenen Beratungsanspruch – ohne ihre Eltern.

Unser Titelbild hat Michael Schwarzenberger zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!