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Salutogenese: Über die Kunst, sich gesund zu führen

Möglichst lange und noch dazu bei guter Gesundheit und glücklich möchte jeder leben. Doch wie geht das genau? 

Die Mitarbeiter von UNIVITA stehen tagtäglich der Herausforderung gegenüber, den auf Gut Holmecke nach Erholung suchenden Menschen Antworten und praktische Hilfestellung geben zu können. Eine interne Weiterbildung von Dorothee Remmler-Bellen, Vorstand der Präventologen, für das Team von Gut Holmecke verdeutlichte die Inhalte der Ottawa Charta der WHO und die Prinzipien der Salutogenese von Aaron Antonovsky, auf denen die therapeutische Grundhaltung der Kurklinik fußt.

Salutogenese nach Antonovsky

Für den amerikanisch-israelischen Medizinsoziologen Antonovsky (1923- 1994) gibt es keine klare Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit. Vielmehr sieht er Gesundheit und Krankheit als Pole eines Kontinuums, das sich in stetigem Fluss befindet. Jeder Mensch trägt demnach gleichzeitig gesunde und kranke Anteile in sich. Der gesundheitliche Zustand eines Individuums ist also von der Distanz zu den Extrempositionen bestimmt.

salutogenese: was hält Menschen gesund?

Salutogenese im Vergleich zu Pathogenese

Salutogenese: was hält Menschen gesund?

Die Kunst, sich gesund zu führen. Vortrag von Dorothee Remmler-Bellen

 

 

 

 

 

 

 

Im Fluss des Lebens befinden sich die Menschen in einem ständig veränderlichem gesundheitlichen Gleichgewicht. Ein ärztlicher Therapeut mit pathogenetisch ausgerichteter Medizin würde versuchen, gleich einem Rettungsschwimmer einen Ertrinkenden aus dem Strom zu retten. Die Salutogenese geht weiter. Sie möchte Menschen befähigen, aus eigener Kraft zu schwimmen – immer besser und immer leichter. Es geht also darum, nicht nur Risikofaktoren ab- sondern vor allem Schutzfaktoren aufzubauen.

Für Antonovsky verfügen alle Menschen über geistig-seelische Fähigkeiten und Sinnorientierungen, um mit Herausforderungen, Problemen und Bedrohungen umgehen zu können. So können sie gesund bleiben bzw. sich wieder erholen. Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung sind nach Antonovkys Metapher gleichsam wie ein Schwimmtraining. Der Lebensfluss bleibt so gefährlich, wie er nun einmal ist. Allenfalls benötigen manche Schwimmer Schonräume zum Erinnern und Üben eigener Fähigkeiten sowie Hilfestellung zur Verbesserung ihrer Schwimmtechniken.

Die Ottawa Charta der WHO geht einen Schritt weiter und definiert Gesundheit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern sogar als einen eigenständigen Prozess der Lebensbewältigung, in dem Lebenssinn, soziale Verortung und der Umgang mit den eigenen Ressourcen eine große Rolle spielen.

Wie können Ressourcen aktiviert und Lebensqualität verbessert werden?

Die zentrale Frage für die Mitarbeiter auf Gut Holmecke ist demnach: Wie können sie in der kurzen Zeit des Aufenthalts ihrer Patienten auf Gut Holmecke dabei helfen, Ressourcen zu identifizieren und sie zu aktivieren, um die Lebensqualität insgesamt zu verbessern?

Beispiele für tragfähige „Schwimmtechniken“, die während eines Kuraufenthalts entwickelt und gefestigt werden können:

Gesundheitskompetenz – Wissensvermittlung und Unterstützung bei der Umsetzung Resilienz – die innere Kraft der Seele finden und stärken Kohärenz – eine Art geistig-seelischer Grundeinstellung, die bestimmt, wie belastende Situationen wahrgenommen, verarbeitet und beantwortet werden. Nach Antonovsky muss ein Mensch Ereignisse des Lebens verstehen können (comprehensibility), in ihnen einen Sinn sehen (meaningfulness) und das Gefühl haben, diese bewältigen zu können (manageability). Anforderungen werden als Herausforderungen verstanden, in die Energie zu investieren sinnvoll und lohnenswert ist. Selbstwirksamkeit / Wertschätzung / Gedankenhygiene – den richtigen Umgang mit sich selbst lernen und praktizieren. Beziehungsfähigkeit / Kommunikation – sinnvolle Aufgaben und gute Sozialkontakte finden und pflegen. Genussfähigkeit / Glücksmomente / Lebensfreude – gezielt und regelmäßig einplanen und teilen.

„Du kannst die Wellen nicht stoppen. Aber Du kannst lernen, auf ihnen zu gleiten.“ Nach Jon Kabat Zinn.